Stille Revolutionen im Osten: Die Proteste in Berlin und Leipzig 1989

Die bekannten Montagsdemonstrationen stammen aus der Friedensbewegung der DDR in den frühen 1980er Jahren. Bereits im Jahr 1981 wurden Friedensgebete abgehalten, ab dem Jahr 1982 nur noch am Montag.

Zentrale Figur ist der Pfarrer Christoph Wonneberger, der schon 1982 Friedensgebete in Dresden hielt. Wonneberger ist zudem ein Mitbegründer der AG Menschenrechte, die sich gegen innerkirchliche und staatliche Widerstände wehrt.

Die Friedensgebete werden zur Mitte der 1980er Jahre als systemkritisch eingestuft, da sie sich immer stärker politisch ausrichten und auch immer mehr Ausreisewillige ihnen beitreten. Viele Demonstranten wurden inhaftiert und die Kirche wurde zunehmend vom Staat kontrolliert. Das führte dazu, dass sich die Kirche dem Druck fügte und den Gruppierungen die Gestaltung dieser Friedensgebete verbot.

Die Montagsdemonstrationen im Jahr 1989

Die Gruppen ließen sich nicht unterkriegen, es kam zu Tumulten während der Gottesdienste. Die Kirche hob somit diese Regelung im Frühjahr 1989 wieder auf. Gleich mehrere Gruppen, wie die Initiativgruppe Leben, die Arbeitsgruppe Umweltschutz, der Arbeitsgerechtigkeit oder der Arbeitskreis Solidarische Kirche verfassten einen Brief an den damaligen Landesbischof Hempel. In diesem Brief beklagten sie, dass die Friedensgebete entpolitisiert werden sollten.

Gerade die Jugend der Gruppen ließ sich nicht abhalten ihren politischen Unmut kundzutun. Genau sie zählen zu den wenigen, die die Montaggebete anführten und wieder ins Leben riefen.

Nach dem die Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 manipuliert wurden, wurde eine Demonstration mit 600 Menschen in Leipzig organisiert. So musste erstmals am folgenden Tag eine Truppe von Polizisten zum Friedensgebet in der Nikolaikirche gerufen werden.

Abermals versuchte der Landesbischof Hempel die Friedensgebete einzuschränken und scheiterte daran. Die Basisgruppen waren so stark, dass er sich in der Kirche kein Gehör mehr verschaffen konnte.

Von da an wird von den Montagsgebeten gesprochen. Die darauf folgenden Demonstrationen erhalten den Namen Montagsdemonstrationen. Besonderen Anklang bekommen die Friedensgebete durch die politische Ausrichtung. Die oppositionellen Strömungen haben hier ihren Raum, um ihre Ansichten zu schildern. Es dauert nicht lange, bis das ganze Land von den Montagsgebeten und Montagsdemonstrationen hört und das Ende der DDR beginnt.

„Wir sind das Volk!“

Die westlichen Medien begleiteten die erste Montagsdemonstration am 4. September. Dies taten sie, damit niemand öffentlich verhaftet wird. Nur eine Woche danach wurden dennoch viele Demonstranten durch die Polizei und die Stasi inhaftiert.

Der September des Jahres 1989 ist auch bekannt für die Änderung der Vorstellung der Demonstranten. In der Zeit davor, wollten viele von ihnen nur ausreisen und riefen „Wir wollen raus!“ Doch ab September sind die Friedensgebete von „Wir bleiben hier!“-Rufen geprägt. Denn die Leute wollen, dass genau hier sich etwas ändert.

Die Opposition in der DDR macht es sich zum Vorteil und beauftragt die Westmedien damit, Berichterstattung über die Leipziger Proteste auszustrahlen. Die Nachrichten um die Proteste verbreiten sich und die Demonstranten erlangen immer mehr Gehör.

Ab dem 4. September 1989 gab es jeden Montag Protestdemonstrationen, die bereits im Oktober eine Größe von zehntausenden betrugen. Der wichtigste und prägnanteste Ausruf ist dabei „Wir sind das Volk!“, der nach dem Mauerfall zu „Wir sind ein Volk!“ wird.