Machandel – Lebenswege der DDR in der kritischen Nachbetrachtung

Der Machandelbaum oder Wacholder spielt im gleichnamigen Roman von Regina Scheer eine zentrale Rolle.

Das Besondere am Roman ,,Machandel“ von Regina Scheer, welcher im Jahr 2014 erschienen ist, ist der Facettenreichtum, in welchem die verschiedenen Lebenswege der vorgestellten Menschen innerhalb der DDR und der Zeit des Nationalsozialismus nachgezeichnet werden.

Da sind ehemalige KZ Häftlinge, die ihre ganze Hoffnung in das neue System der DDR legen, da sind wütende Widerständler und Friedensaktivisten, welche der DDR verwiesen werden. Insbesondere die letzten beiden Themen sind welche, die in der Zeit der innerdeutschen Trennung kaum Beachtung fanden. Dies gilt natürlich insbesondere für die staatstragenden Medien und hierbei vor allem jene innerhalb der DDR selbst.

Waren wahrhaft kritische und aktive Oppositionsgruppen in der DDR überhaupt existent?

Fragestellungen wie diese konnten bei den Bürgerinnen und Bürgern aus beiden Teilen der neuen Bundesrepublik nach der deutschen Wiedervereinigung am 03. Oktober 1990 durchaus in den Köpfen umherschwirren. Junge Menschen wurden in den späten 80er Jahren immer häufiger verhaftet, eingesperrt oder des Landes verwiesen, sie wurden von ihren Familien, ihren Freunden getrennt. Auch die Inhaftierung und die schließlich Verweisung aus der DDR von Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten gehört zum Stoff, welcher dem Leser bzw. der Leserin des Buchs spannend dargelegt wird. Erst nach der Wende erfuhren viele Menschen vom Schicksal derjenigen, die mit Bussen und ohne jedes Wissen teilweise nachts aus dem Gefängnis geholt wurden und mit ihrer Ausweisung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Nicht selten war für jene Menschen neben der eigentlichen Freude, die DDR nun verlassen zu können, eine Trennung von Familie und Freunden verbunden.

Innenfamiliäre Konflikte spielen eine zentrale Rolle

Innenfamiliäre Konflikte werden im Roman bezogen auf die Hauptperson Clara und ihre Familie sehr deutlich. Zentraler Ort des Buches ist Machandel, ein imaginärer Ort in Mecklenburg-Vorpommern, wie er so oder so ähnlich, überall im Osten des Landes zu finden war. Clara erforscht das Märchen vom Machandelbaum und ihre eigene Lebensgeschichte.

Während der Vater, vielleicht auch aufgrund seiner Inhaftierung in einem KZ, während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, überzeugter Kommunist wird  und eine Reihe von Karrieresprüngen in hohe Ämter der DDR schafft, steht Clara selbst, ebenso wie ihr Mann, dem Staat besonders kritisch gegenüber und betätigt sich in verschiedenen politischen Gruppen der Opposition.

Regina Scheer erzählt klar und deutlich ohne Sentimentalitäten

Was dies für eine Familie und ihr Zusammenleben bedeuten kann, welchen Einfluss die verschiedenen Meinungen auf das Erleben der Ereignisse vor der Wende haben und wie es am Ende gar zu einer Entfremdung zwischen einzelnen Familienmitgliedern kommt, erfährt der Leser bzw. die Leserin im Roman ,,Machandel” sehr eindringlich.

Ohne geschichtliche Fakten aneinanderreihen zu müssen oder Faktenwissen zu vermitteln, ergibt sich aus der Lektüre des Werkes ein Eindruck von verschiedenen Lebenswegen, die sich in der DDR entwickeln konnten. Der Roman bleibt dabei nah an den Erzählungen etwaiger Zeitzeugen und schildert besonders eindrücklich die Gegensätze, die sich in der Sichtweise auf den Arbeiter- und Bauernstaat innerhalb der eigenen Bevölkerung ergaben. Es handelt sich um ein Werk, welches sicherlich auch für die schulische Behandlung der Zeit der innerdeutschen Trennung von großer Relevanz sein kann.