Familienzusammenführungen nach 1989

Der Fall der Mauer 1989 war einer der freudigsten Momente. Die Menschenmenge jubelte, endlich konnte die Grenze überquert werden. Es durfte selbst bestimmt werden, wo man leben wollte. Doch die Freude zog auch Trauer mit sich. Viele Familien haben Familienmitglieder aus den Augen verloren, wussten jahrelang nicht wo sie sind, wussten nicht wie sie kontaktieren konnten.

Hochemotionale Momente

Hier ein Beispiel einer Mutter, die ihren Sohn nach 50 Jahren wieder in die Arme schließen konnte. Mit gerade mal 18 Jahren bekommt sie ihr Kind. Bislang hat sie ein trauriges Leben geführt, ist allein im Heim aufgewachsen. Da scheint die Geburt ihres Sohnes eine Erlösung aus der Einsamkeit zu sein, endlich hat sie ihre eigne Familie. Durch den Umstand, dass sie selbst noch im Kinderheim wohnt, ist ihr Sohn in einem Säuglingsheim. Doch sie kann ihn jederzeit sehen und Zeit mit ihm verbringen.

Wenige Jahre später lernt die junge Frau einen neuen Mann kennen, den sie heiratet und mit ihm einen weiteren Sohn bekommt. Es scheint so, als würde der Traum von einer richtigen Familie in Erfüllung zu gehen. Doch das Jugendamt schaltet sich ein. Die junge Frau und ihr Mann finden keine passende Wohnung für ihre kleine Familie und da der Sohn bereits drei Jahre alt ist, kann er nicht weiter im Säuglingsheim leben. Sie muss eine schwere Entscheidung treffen, zustimmen, dass ihr Sohn ins Kinderheim kommt.

Adoption durch Fremde

Die junge Frau dachte, sie hätte lediglich die Zustimmung unterschrieben, dass ihr Sohn ins Kinderheim verlegt wird. Leider wurde sie bitter enttäuscht. Es war eine Adoptionsfreigabe, die sie unterzeichnete. Von nun an durfte sie ihren dreijährigen Sohn nicht mehr sehen, er wurde von einer Familie adoptiert.

Sie ist am Boden, bricht zusammen und muss sogar in eine Klinik. Nach dem Aufenthalt dort, versucht sie ihren Sohn wiederzufinden. Schnell wird sie vom Chef der SED-Kreisleitung ermahnt. Sie solle nicht nach ihrem Sohn suchen und immer daran denken, dass sie noch einen weiteren Sohn hat und diesen nicht auch noch verlieren möchte.

Zusammen mit ihrem Mann und ihrem anderen Sohn zieht sie in eine eigene Wohnung. Sie bekommt noch vier weitere Söhne. Dennoch hat sie ihren Erstgeborenen nie vergessen, muss sehr oft an ihn denken. Fragt sich, wie es ihm wohl geht, wie er heute aussieht. Jeden seiner Geburtstage feiert sie für sich. Es ist ein Ritual, sie backt ihm sogar eine Torte. Er bleibt nie vergessen, im Herzen dieser Mutter.

Nach dem Ende der DDR

Nach dem Mauerfall scheint es neue Hoffnungen zu geben, neue Möglichkeiten nach dem verlorenen Sohn zu suchen. Doch die Frau wird erneut von einem ehemaligen Stasimitarbeiter gewarnt.

Zu diesem Zeitpunkt ist sie aber keine eingeschüchterte junge Frau mehr. Sie ist eine starke Mutter, die ihren Sohn finden will. Auch ihre Söhne stehen ihr stets zur Seite, unterstützen sie bei der Suche. Zahllose Briefe werden an die verschiedensten Einrichtungen verschickt, ohne Erfolg.

Eines Tages bittet ihr 27-jähriger Sohn einen Fernsehsender um Hilfe. Das Fernsehteam dreht mit der Mutter einen Bericht, an dem Ort, an dem sie ihren Jungen zuletzt sah. Wenige Wochen später ist es soweit, sie bekommt eine Einladung vom Fernsehsender um weitere Informationen von ihr zu erhalten.

Wiedersehen nach 50 Jahren

Doch es ging nicht um weitere Informationen, in der Livesendung ist es so weit. Endlich kann sie ihren Jungen nach 50 Jahren der Suche in die Arme schließen. Die beiden haben in den Tagen nach der Sendung ausreichend Zeit um über die Vergangenheit zu sprechen. Ihr Sohn wusste nie, dass er adoptiert wurde. Erst durch den Bericht im Fernsehen hat er es erfahren. Er kann seine Mutter beruhigen, denn er hatte eine sehr schöne Kindheit.

Seit diesem Zeitpunkt sehen sich die beiden jedes zweite Wochenende, immerhin gibt es viel Zeit, die aufgeholt werden möchte.