Der Prenzl‘ Berg damals und heute

Kreuzung Eberwalder sieht fast genauso aus wie 1989

Es gab bis vor kurzem eine Zeit im Bezirk Prenzlauer Berg, die alles andere als ruhig und spießig war. Dort wurden bis vor ein paar Jahren noch wilde Partys gefeiert und vor allem junge Menschen und Künstler hatten hier ihr zuhause. Heutzutage wird wohl über keinen Berliner Bezirk so viel gelästert wie über den Bezirk Prenzlauer Berg. Dieser Bezirk gilt als Bezirk des spießigen, langweiligen, bürgerlichen Lebens, aber das war einmal komplett anders.

In den 80er Jahren war dieser Bezirk der Bezirk einer friedlichen Revolution mit vielen Künstlern und Punks. Hier war die politische Opposition zu Hause. So wohnte zum Beispiel in der Fehrbelliner Straße die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohlen. Es gab so manche Wohngemeinschaft, die sich aus Aktivisten zusammensetzte. Kurz gesagt, hier traf sich die Ostberliner alternative Szene.

Damals konnte man für 15 Mark im Monat wohnen. Überall in den Hausfassaden waren Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen. Die billigen Preise und großen Altbauwohnungen lockten vor allem junge Menschen an. Viele zogen einfach in eine alte, verlassene Wohnung ein, die offen stand oder indem das Schloss geknackt wurde. Im Nachhinein versuchte man seine Besetzung zu legalisieren und bezahlte eine kleine Miete. Durch Eigeninitiative wurden die Wohnungen von den jungen Menschen erst mit viel Kreativität bewohnbar gemacht.

Der Wandel der Oderbergerstraße

Mittlerweile ist diese Straße ein durchwanderter Touristenmagnet, aber früher befand sich hier am Ende der Straße die Berliner Mauer. Für viele Urberliner, darunter auch die Buchautorin Freya Klier, ist sie heute zu touristisch oder man könnte auch sagen einfach zu schick. Die Autorin ist eine der wenigen Bewohner, die schon seit ihrer Kindheit in der Straße leben. Mittlerweile ist eigentlich die gesamte Bevölkerung eine andere. Man könnte sagen, die alte, frühere Bevölkerung wurde ausgetauscht gegen eine neue, schickere und reichere Schicht.

Fluchtgedanken am Ende der Straße

Die Mauer am Ende der Oderbergerstraße weckte bei vielen Menschen in der DDR Fluchtgedanken. Auch hier wurden Tunnel gegraben oder man versuchte die Rohre der Kanalisation zu nutzen. Die meisten Menschen scheiterten bei ihren Fluchtversuchen, aber einige gelangen. Im Jahr 1964 wurde auf der westlichen Seite kurz vor der auf der Mauer eine Aussichtsplattform gebaut. So war es für Bewohner aus dem Westen möglich einen Blick in den Osten und in diese Straße zu werfen. Ein Besuch dieser Aussichtsplattform war für die meisten Westberliner ein unverzichtbarer Pflichtbesuch.

Eine besondere Mischung

Früher war in der Oderbergerstraße eine besondere Mischung zu finden, denn hier lebten Arbeiter, Studenten, Künstler, etc. In den Wohnungen lebten Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und das, was sie verband, war nicht nur der vorherrschende Mangel an Geld. Die Buchautorin Freya kann sich noch daran erinnern, dass sich Nachbarn gegenseitig zum Essen einluden.

Nach vor dem Oktober 1989 wird auch hier in dieser Straße alles anders. Die Bevölkerung verändert sich. Die jungen, kreativen Köpfe reisen ab. Grund für die Abwanderung sind die wachsenden Kosten, der Druck des Staates, die Spitzel, alles Dinge, die die Kreativität und die Gedankenfreiheit einschränken.

Die letzten Alten in Prenzlauer Berg

Die alteingesessenen Bewohner dieses Bezirks werden immer weniger. Für die jetzigen Rentner hat sich ihre Umgebung komplett verändert. Die Autorin Freya kennt den Bezirk noch als Trümmerhaufen nach dem Zweiten Weltkrieg, dann in den Nachkriegsjahren nicht modernisiert aber gemütlich, zunehmend verfallend und heute saniert, schön, aber auch teuer und anders. Die heutigen Rentner, denen es früher für ihre Verhältnisse eigentlich gut ging, wirken fast ärmlich, wenn man sich den Bezirk ansieht. Früher kostete die Miete der meisten Wohnungen gerade einmal 40 Mark. Heute findet sich keine Wohnung mit einer Warmmiete unter 12 Euro, denn der Bezirk ist einer der teuersten in Berlin. Vorherrschend leben hier nun junge, wohlhabende Familien mit ihren Kindern, die Wert auf ein gutes Wohnklima legen und meist eine ökologische Lebensweise haben. Deshalb gibt es an jeder Ecke Bioläden. Sogar ökologische Wandfarben werden angeboten. In diesem Bezirk sind Rentner ein seltenes Bild, denn weniger als 10 % der hier wohnenden Bevölkerung ist älter als 65 Jahre. Einige Rentner, die hier schon immer gelebt haben, lassen sich trotz der Veränderungen nicht aus ihrer Heimat vertreiben, zumindest solange es geht.