Der Aufstand am Platz des himmlischen Friedens 1989

Die gewaltsame Niederschlagung der Studentenporteste in China 1989 wurden bis heute nicht aufgearbeitet.

Der Aufstand am Platz des himmlischen Friedens und seine blutige Niederschlagung schreckten die Bürgerinnen und Bürger der DDR nicht ab. Es herrschte ein besonderes Klima in der kommunistischen Welt des Jahres 1989. Während Michail Gorbatschow in der Sowjetunion mit seinen Reformprogrammen für Hoffnung und gleichzeitig Zukunftsangst sorgte, gewannen die Gedanken an Erneuerung und Öffnung auch in den anderen kommunistischen Staaten immer mehr Sympathien. Die deutsche Wiedervereinigung bzw. der ein Jahr vorher liegende Mauerfall bilden vielleicht die absolute Spitze dieser Bewegungen und zeigen auf, wie friedliche Revolutionen für eine vollkommene Umstrukturierung von Systemen führen können.

Studenten forderten ein demokratisches China

Das Beispiel Chinas zeigt die andere, die düstere Seite jener Bewegungen auf, die entsteht, wenn von der regierenden Seite mit brutaler Gewalt auf die Proteste reagiert wird. Auch in China machten sich die Gedanken breit, die eine ganze Generation in den Staaten östlich des Eisernen Vorhangs beschäftigten. Besonders Studentinnen und Studenten nahmen die Situation und die scheinbare Gunst der Stunde zum Anlass und protestierten gegen die Regierung und für ein demokratischeres China, welches sich den Reformgedanken aus Moskau annimmt.

Auslöser für die Demonstrationen war der Tod des reformoffenen Politikers Hu Yaobang, welcher im Frühjahr 1989 sein Leben verlor und bei vielen Studentinnen und Studenten als Hoffnungsträger gegolten hat. So kam es zur Besetzung des Platzes des himmlischen Friedens, was wiederum bedingte, dass der sowjetische Präsident Gorbatschow nicht wie geplant an jenem Platz empfangen werden konnte, obschon er für die jungen Menschen in China eine Art Hoffnungsträger und Identifikationsfigur war.

Die Beliebtheit Gorbatschows im kommunistischen bzw. sozialistischen Ausland steht dabei im direkten Kontrast zur Sichtweise der Menschen in der Sowjetunion. Noch weit nach dem Ende jener Staatsform wurde Gorbatschow von vielen Menschen für den Zerfall der Sowjetunion verantwortlich gemacht.

Die brutale Zerschlagung der Proteste wurde bis heute nicht aufgearbeitet

Die Wut der Studentinnen und Studenten am Platz des himmlischen Friedens wuchs weiter an, sodass ab dem 13. Mai 1989 der Platz erneut besetzt wurde und dabei 400 Studentinnen und Studenten erklärten, solange in den Hungerstreik zu treten bis die Regierung in den Dialog mit ihnen eintreten würde. Jedoch entschied sich die Parteiführung in Peking anders und es folgte das vielleicht größte Massaker, welches es bei der Zerschlagung einer Demonstration jemals gegeben hat.

So bahnte sich am 03. und 04. Juni 1989 die Katastrophe ihren Lauf, als das chinesische Militär dazu überging, die Demonstrationen und Proteste gewaltsam aufzulösen. Hierbei wurde keinerlei Rücksicht mehr auf die eigentlich friedliche Herangehensweise der Studentinnen und Studenten genommen. Stattdessen rückte die Armee mit schwerem Geschütz an und es gab etliche Todesopfer zu beklagen.

Laut inoffiziellen Zahlen verloren bei der Auflösung der Proteste am Platz des himmlischen Friedens im Jahr 1989 2600 Menschen ihr Leben. Weitere 7000 sollen leicht oder schwer verletzt worden sein. Diese Reaktion der chinesischen Regierung war ein Zeichen auch gegenüber den Völkern der übrigen sozialistischen Staaten. Auch bei den Protesten in der DDR war die Angst bei den Demonstrantinnen und Demonstranten allgegenwärtig, dass es zu einem ähnlichen Vorfall kommen könnte.

Der Vorfall auf dem Platz des himmlischen Friedens wird bis heute von der chinesischen Regierung nicht als solcher bezeichnet. Noch heute ist die Führung des Staates der Meinung, dass das damalige beherzte Eingreifen zur Sicherung des Staates beigetragen hat und die richtige Entscheidung war.