20 Jahre nach dem Mauerfall: Vereint im Wohnen

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde die Stadt eine Art Symbol der Wiedervereinigung von zwei Parallelwelten, die fast 30 Jahre in unmittelbarer Nähe und nur getrennt von einer Mauer existierten. War die Wiedervereinigung eigentlich eine Erfolgsgeschichte und wie deutet man die unterschiedlichen Interpretationen am besten?

Der Wohnungsbau in Berlin

Der Bau von Wohnungen ist und war schon immer ein sehr wichtiges Thema in Berlin. Das war auch in der Zeit der Trennung von Ost- und Westberlin so. Der Kampf der beiden unterschiedlichen wirtschaftlichen Systeme war im Wohnungsbau zu beobachten. Im westlichen Teil der Stadt Berlin entstanden zwischen den Jahren 1950 und 1980 465.000 von der Öffentlichkeit geförderte Mietwohnungen. Ein ähnliches Bild war im gleichen Zeitraum im östlichen Teil von Berlin zu beobachten. Dort nämlich wurden in dieser Zeit 320.000 staatlich geförderte Wohnungen errichtet. Das war eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass Ostberlin der bevölkerungsmäßig kleinere Stadtteil war. Im Osten galt das als Beweis, dass der Sozialismus dem Kapitalismus überlegen und eben das bessere wirtschaftliche System war.

Ein schwerwiegendes Erbe

Eigentlich sind die Wohnbauten in Ost- und Westberlin zwei verschiedene Wohnungsbausysteme. In der heutigen Zeit gelten beide Systeme als historische Last, aber natürlich auch als Errungenschaft. Aufgrund des sozialen Wohnungsbaus sind die Kassen der Stadt Berlin noch heute stark verschuldet. Diese Schulden stammen aus der ehemaligen DDR, aber auch der Westen sorgte für einen Teil der heutigen Schulden. Die wohl bekanntesten dieser geförderten Siedlungen in Ostberlin sind in Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen zu finden. Im westlichen Teil der Stadt gibt es ein Gegenstück – nämlich die sozial geförderten Wohnbauten in Neukölln, Spandau und Reinickendorf. Es kann gesagt werden, dass all diese Siedlungen heutzutage zu den Sorgenkindern der Stadt Berlin zählen. Sie verloren in den 90er Jahren aufgrund ihres Zustandes immer mehr an Attraktivität, wurden zu sozialen Brennpunkten und können erst nach und nach saniert werden.

Auf der anderen Seite werden soziale Wohnungen heute händeringend gesucht. Die steigende Zahl von Wohnungssuchenden und der Verkauf von Immobilien als Spekulationsobjekten in Ost und West führen dazu, dass gerade die noch nicht sanierten Plattenbauten für Menschen mit mittlerem und unterem Einkommen dringend benötigt werden.

Was trennt Ost und West?

Vor dem Bau der Berliner Mauer war das Stadtbild geprägt von einer multikulturellen Bevölkerung. Nun ist dieser Teil der Bevölkerung eigentlich nur im westlichen Teil zu finden.

Die Frage, ob sich der Wohlstand gerecht auf Ost- und Westberlin verteilt, kann wohl als Gretchenfrage angesehen werden. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass der Wohlstand in den alten Bezirken in Ostberlin zugenommen hat. Dennoch sind in den westlichen Bezirken, vor allem in Charlottenburg, Schöneberg und Zehlendorf noch immer weitaus mehr wohlhabende Mieter und Hausbesitzer anzutreffen.page1image2358830432

Ost-Westmischung

Die Vermischung von Ost- und Westberlinern vollzog sich in den letzten Jahren vor allem in den Bezirken der Innenstadt. Man könnte fast sagen, dass das Wohnen einer der Bereiche ist in dem Ost- und Westberliner miteinander vereint sind. Nach dem Fall der Mauer wollten die Ost- und Westberliner noch einige Zeit unter sich bleiben, aber das änderte sich schon bald. In den letzten Jahren sind vor allem viele Westberliner in den alten Bezirk Mitte gezogen. Dieser alte Ostberliner Bezirk wird nun immer mehr zu einem „IN“-Bezirk Berlins. Das Phänomen der Vermischung von Ost- und Westberlinern ist aber auch in anderen alten Berliner Stadtbezirken zu beobachten. Dazu zählt zum Beispiel Kreuzberg. Es kann gesagt werden, dass nun Ostberliner in den Westen ziehen und Westberliner in den Osten.

Ausgleich der Mieten

Bis zum Jahr 1995 war die Qualität des Wohnens in Ostberlin nicht zu vergleichen mit der vorherrschenden Wohnsituation in Westberlin. Aber nach dem Jahr 1995 begannen sich Qualität und Ausstattung der Wohnungen im Osten langsam den westlichen Standards anzugleichen. Im Zuge dessen glichen sich auch die Mieten an und sind nun nahezu identisch in Ost und West.


In Berlin ist es gelungen Ost- und West im Wohnungsmarkt zusammen zu führen und zu vereinigen.