Leben in Ostberlin

Vor allem die Unfähigkeit des „realen Kommunismus“ die DDR-Bürger ausreichend mit Konsumgütern zu versorgen, führte zu wachsenden Unmut und erzeugte eine große Diskrepanz zwischen der ideologischen Agitation in den staatlich gelenkten Medien und der tristen Realität.

Die Mangelwirtschaft

Die großen wirtschaftlichen Probleme des Landes ließen sich auch durch die beste Propaganda nicht verheimlichen. Es konnte Jahre dauern, bis man eine Wohnung zugeteilt bekam, oft wartete man 12 oder 13 Jahre auf ein Auto. Die DDR kam aus der Mangelwirtschaft nach dem Krieg nicht wirklich heraus. Manchmal mussten Leute an Obstständen anstehen, ohne zu wissen, was es eigentlich zu kaufen gab. Eine Banane oder ein Pepsi-Cola war für ostdeutsche Kinder eine Besonderheit, wobei die Versorgung in Ost-Berlin noch besser war als im Rest der DDR. Supermärkte zeichneten sich vor allem durch gähnende leere Regale aus, man litt zwar keinen Hunger, doch recht viel mehr als das Lebensnotwendige gab es nicht zu kaufen.
Dreiviertel der DDR-Bürger besaß kein Telefon, erst in den Achtzigerjahren wurden Telefonapparate auf der Straße montiert, vor denen sich vor allem abends ebenfalls Warteschlangen bildeten.

Der „Antifaschistische Schutzwall“

Es war normal, dass U- und S-Bahn-Gleise im Nichts endeten und Straßen zu dem Sperrgebiet vor der Mauer und damit zur Todeszone führten. Der Mauerbau wurde damit begründet, dass zahlreiche Facharbeiter, deren Ausbildung die DDR viel Geld gekostet hatte, nach Westdeutschland abgewandert waren, weil sich dort mehr Geld verdienen ließ. Diesem „Aderlass“ und “Verrat am Sozialismus” habe man einen Riegel vorschieben müssen und außerdem diene der „Antifaschistischer Schutzwall“ dazu, den schädlichen westlichen Einfluss zu verhindern. Es gab eine latente Angstmacherei durch die staatlich kontrollierten Medien, die verbreiteten, man müsse unablässig in Verteidigungsbereitschaft bleiben, weil der Westen einen Krieg anzetteln wolle.

Der Einfluss der westlichen Medien

Allerdings konnte man in Ost-Berlin westdeutsche Radio- und Fernsehsender empfangen und auch wenn es offiziell unerwünscht war, nutzten viele Leute lieber die westlichen Medien zu ihrer Information und Unterhaltung als die ostdeutschen. Serien wie “Miami Vice” und “Schwarzwaldklinik” übten im kommunistischen Bruderland ebenso ungehindert ihren Reiz aus. Die westlichen Medien zeigten aber auch das etwas bedrohliche Bild des „gefährlichen“ Westens, denn schließlich musste man sich dort mit Problemen wie Kriminalität, Drogenmissbrauch und Arbeitslosigkeit herumschlagen. Auf die Ostberliner wirkten die Westberliner durch ihre Isolation wie Gefangene auf einer Insel und wurden vielleicht sogar manchmal bedauert. Durch die entsprechende Propaganda unterstützt wähnte man sich in Ostdeutschland in der besseren Lage, da es dort weniger dieser gesellschaftlichen Spannungen und Probleme gab oder auch nur weniger sichtbar waren. Noch heute denken manche Leute nostalgisch an die Sicherheit des Arbeitsplatzes zurück, die die DDR garantiert hatte. Dass Berufsausbildung und Studienwahl ebenfalls von den staatlichen Behörden diktiert wurden, wird dann in diesem Zusammenhang gerne vergessen.

Westlich Konsumwünsche im Osten

Wer Verwandte in der Bundesrepublik hatte, konnte Geschenkpakete empfangen, die begehrte westliche Konsumprodukte wie LPs oder Kleidung enthielten. Zu besonderen Anlässen durften einige Familienmitglieder in die BRD reisen, jedoch niemals alle zusammen, der Rest der Familie und ein Ehepartner blieben als Faustpfand in der DDR. Eine derartige Einschränkung gab es nicht für Rentner und man konnte auch Besuch aus dem Westen empfangen, der dann immer die begehrten Waren mitbringen musste.

Das Leben der Jungen

Die Mangelwirtschaft in der DDR war für die Jugendlichen Alltag und Normalität. Konsumgüter aus dem Westen galten als „cool“, doch der unbekannt Westen mit all seinen Unsicherheiten verursachte manchen auch ein mulmiges Gefühl. Nach dem Mauerfall sagten einige, sie hätten Angst vor dem “da drüben” gehabt.
Während die Jugendlichen im Westteil der Stadt mit Drogen und alternativen Lebensstilen experimentierten, waren viele Jugendliche in der DDR Mitglied bei den Pionieren. Statt einer Konfirmation gab es hier eine Jugendweihe, die ähnlich gefeiert wurde. Die Pionierkleidung bestand aus weißem Hemd mit rotem Halstuch und der Pioniergruß lautete: „Seid bereit! – Immer bereit!” Viele Jugendliche vor allem aus der Stadt machten gerne mit, weil es ein starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugte und die Sommer- und Ferienlager an der Ostsee oder in der Tschechoslowakei beliebt und attraktiv waren.

Neubauten in Ost-Berlin

Nach Ansicht der kommunistischen Führung sollten die sozialistischen Menschen nicht in feudalen oder bürgerlichen Wohnungen leben. Daher schuf man lieber neue Lebensräume als alte zu sanieren. Die alten Bezirke im ehemaligen Zentrum der Stadt verfielen zusehends, während an der Peripherie riesige Wohnsiedlungen entstanden. In den maroden Bezirken wie dem Prenzlauerberg waren die Straßen kaputt, die Häuserfassaden grau und gaben auch Jahrzehnte später kaum ein anderes Bild ab als wie nach dem Krieg. Die Kohlebeheizung in den alten Gebäuden überzog im Winter alles mit einem grauen Schleier, was den desolaten Eindruck noch verstärkte. Es gab nur wenige Neubauten, auf die die Ost-Berliner stolz sein konnten, eines davon war der Palast der Republik.

Palast der Republik

Der Prunkbau der SED-Führung wurde zwischen 1973 und 1976 erbaut und diente vor allem als Sitz der Volkskammer, er fungierte aber auch mit zahlreichen Veranstaltungsräumen als Kulturhaus, in dem es Ausstellungen, Theateraufführung und eine Diskothek gab. Die Ostberliner ließen sich von dem modernen und aufwendig gestalteten Gebäude gerne beeindrucken, auch wenn schon einmal über “Erichs Lampenladen” oder über den „Ballast der Republik“ gespottet wurde. Da Baumaterialien immer Mangelware waren, dachten viele, man hätte diese besser für den Bau von Wohnungen als für den Protzbau verwenden sollen.
Nach der Wende musste der Palast wegen hoher Asbestbelastung geschlossen werden, einige Jahre lang versuchte man, den Asbest zu entfernen, schlussendlich entschloss man sich aber, das ganze Gebäude abzureißen.
Nach dem teuren Abriss hatten die Ost-Berliner ein markantes Stück ihrer Geschichte verloren und das Gelände lag jahrelang brach. Jetzt soll dort bis 2019 das Humboldt-Forum entstehen.