Die Berliner Mauer – Aufbau, Existenz und Fall

“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.”

Berlin 1945-1961

Nachdem die Alliierten Hitlerdeutschland besiegt hatten, teilten die vier Siegermächte Deutschland 1945 in vier Zonen ein. Auch für die Hauptstadt Berlin wurden vier Zonen geschaffen, der Ostteil der Stadt kam unter sowjetische Kontrolle und die westlichen Siegermächte kontrollierten, was später West-Berlin werden sollte.

Einführung der Deutschen Mark und die Berlin-Blockade

Um Berlin begann ein zähes Ringen, da die Sowjetunion die ganze Stadt unter ihre Kontrolle bringen wollte. Die Spannungen zwischen den Siegermächten eskalierten 1948, als mit der Währungsreform der Westmächte auch im Westsektor der Stadt die Deutsche Mark eingeführt wurde. Daraufhin blockierte die Sowjetunion alle Transportverbindungen des Westsektors. Durch eine logistisch aufwendige Luftbrücke der West-Alliierten gelang es, die Versorgung der Bewohner aufrecht zu erhalten. Da der sowjetische Präsident Chruschtschow keinen erneuten Krieg wollte, hob er die Blockade im Mai 1949 auf und mit der Gründung von BRD und DDR wurde Deutschland in zwei Staaten geteilt.

West-Berlin eine neutrale Stadt?

1958 verlange Chruschtschow immer noch den Abzug der anderen Siegermächte aus West-Berlin, auch mit dem Argument, die Stadt läge vollständig auf dem Gebiet der neu geschaffenen DDR. Die Westmächte gaben dem Drängen der Sowjetunion nicht nach, auch als Chruschtschow bei einem Gipfeltreffen mit dem amerikanischen Präsidenten Kennedy im Juni 1961 in Wien seine Forderungen wiederholte. Er wollte den Westsektor von Berlin zu einer neutralen Stadt erklären, doch es war klar, dass ohne den Schutz der Westmächte diese Stadtteile der Kontrolle der DDR ausgeliefert gewesen wären. So kam es zu keiner Einigung und zu keiner Lösung des Berlin-Problems.

Fluchtloch in den Westen

Die DDR-Führung sah sich mit dem Problem konfrontiert, dass die offene Stadtgrenze von tausenden Menschen zur Flucht genutzt wurde. Auf diese Weise verlor die DDR viele junge Leute, Facharbeiter und Akademiker. Auch arbeiteten etwa 50.000 Ost-Berliner im Westteil der Stadt und konnten mit ihrem weit höheren Verdienst ein besseres Leben führen als die meisten Menschen im Ostdeutschland. Das passte nicht zur ideologischen Auffassung, dass das kommunistische Wirtschaftssystem dem kapitalistischen überlegen sei. Die kommunistische Führung der DDR wollte den Verlust an Menschen und Ansehen nicht länger hinnehmen, Gerüchte über eine Schließung der Grenzen kamen auf, doch der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbrich dementierte das:

“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.”

Das war wohl die glatteste Lüge in der neueren deutschen Geschichte. Ulbrich sagte diesen Satz in einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961. Es bleibt unklar, was Ulbrich zu diesem Satz bewogen hatte, denn im August erlaubte Chruschtschow der DDR-Führung die Grenze zwischen West- und Ost-Berlin zu schließen. Am 13. August wurde mit dem Bau der Mauer quer durch Berlin begonnen und sie sollte 28 Jahre bestehen bleiben. Der Bau der Mauer war schlussendlich eine politische Niederlage für Chruschtschow, der jetzt die Präsenz der Westmächte in Berlin auf Dauer akzeptieren musste und es sich wohl für ihn so anfühlte, als stecke ein kleiner, aber dauerhafter Dorn im kommunistischen Fleisch.